Blogreihe: Helden im Fokus

Du willst auf Netzwerkveranstaltungen Kunden gewinnen? Dann machst du vielleicht genau den Fehler, der dich die wertvollsten Kontakte kostet

Manche Menschen trifft man einmal. Andere begegnen einem immer wieder. Bei Veranstaltungen, spannenden Gesprächen und manchmal sogar auf Reisen quer durch Thüringen. Und irgendwann merkt man: Da ist längst mehr entstanden als eine flüchtige Bekanntschaft.

Lisa kennt Rebecca Ullmann, besser bekannt als die Networking Queen®, schon eine ganze Weile. Bei einer ihrer Pokerveranstaltungen haben sich unsere Wege bereits gekreuzt. Dieses Jahr wurde aus der einen Begegnung schnell ein Wiedersehen nach dem anderen: bei den Wirtschaftsjunioren in der Oper Leipzig, auf der IHK-Sommertour in Pegau, bei der Mädler Night in Leipzig und beim IHK-Sommerfest.

Und als wäre das noch nicht genug Networking gewesen, haben wir Rebecca dank ihres Gewinnspiels sogar bis nach Erfurt zum EASTSIDE HEROES Festival und nach Jena zur FuckedUp Night begleitet. Wer so viele Erlebnisse teilt, hat sich anschließend definitiv mehr zu erzählen als nur die üblichen drei Sätze Small Talk. Das schweißt zusammen.

Doch Rebecca ist nicht einfach nur gern unter Menschen. Als Networking Queen® beschäftigt sie sich intensiv damit, wie echte Verbindungen entstehen, warum manche Gespräche in Erinnerung bleiben und weshalb erfolgreiches Netzwerken weit über Visitenkarten und Kundengewinnung hinausgeht.

Denn vielleicht ist nicht die entscheidende Frage, wen du auf deinem nächsten Event kennenlernst, sondern was du aus dieser Begegnung machst.

Rebecca, du nennst dich selbst einen „Duracell-Hasen mit überladenen Batterien“. Wie viel Rebecca steckt in der Networking Queen und wie viel Networking Queen in Rebecca?

Ja an manchen Tagen stimmt das mit dem „Duracell-Hasen“ mit überladenen Batterien. Es steckt 100% Rebecca in Networking Queen®, aber nur 70% Networking Queen® in Rebecca, was daran liegt, dass auch ein Duracell Hase mal eine Pause braucht. An manchen Tagen bin ich keine Networking Queen®, sondern eher Couch Potatoe und am Gamen, dann möchte ich auch mal nicht netzwerken.

Netzwerken klingt für viele erst einmal nach Visitenkarten, Small Talk und möglichst vielen Kontakten. Was bedeutet Netzwerken für dich persönlich und was macht für dich eine wirklich gute Begegnung aus?

Visitenkarten, Small Talk und Kontakte knüpfen gehört immer mit dazu, für mich ist netzwerken aber eher ein Gefühl. Viele Menschen verbinden Netzwerken mit Arbeit. Wenn ich auf einem wirklich guten Event bin, fühlt es sich keinesfalls wie Arbeit an, eher wie ein schöner Abend mit tollen Menschen oder sogar Freunden. Eine gute Begegnung ist für mich ein Mensch, mit dem ich mich nach einem Kennenlernen ein zweites Mal verabreden muss/möchte, weil das Gespräch so gut war, dass wir Stunden hätten reden können. Z.T. habe ich mit besonderen Menschen auch schon stundenlang auf Events gesprochen

„Wer nur mit dem Ziel auf Events geht, Kunden zu gewinnen, verschenkt sehr viel.„

Viele Selbstständige gehen mit einem konkreten Ziel auf Netzwerkveranstaltungen: neue Kunden gewinnen. Warum greift dieser Gedanke manchmal zu kurz und was sollte stattdessen im Mittelpunkt stehen?

Wer nur mit dem Ziel auf Events geht, Kunden zu gewinnen, verschenkt aus meiner Sicht sehr viel.
Klar Kunden brauchen wir alle, aber die Einstellung macht den Unterschied. Ich erlebe leider zu oft Menschen, die zu engstirnig an das gesamte Thema gehen und nur im Gedanken daran sind „Was bringst du mir“. Wer an dieses Thema lockerer und mit Leidenschaft geht, hat die Chance nicht nur Kunden, sondern auch wundervolle Menschen dahinter kennenzulernen.


Ich hab über das Netzwerken Kunden, aber vor allem auch Freunde und bereichernde Kontakte, nicht nur geschäftlich gefunden.

Stell dir vor, jemand ist frisch selbstständig und weiß, dass Netzwerken wichtig ist, fühlt sich bei Veranstaltungen aber völlig fehl am Platz. Was wären deine ersten drei konkreten Schritte?

Erstens:
Überprüfe, ob du das für dich passende Event gewählt hast. Die Eventlandschaft ist riesig und es gibt inzwischen für jeden das passende Format.

Zweitens:
Überprüfe dein Auftreten, deinen Pitch und auch dein Mindset. Ich erlebe es oft, dass Menschen viel zu steif an so ein Event gehen, es darf Spaß machen. Gehe ich mit eigenen Vorurteilen an die Sache und wenn ja warum.  Vielen Menschen fällt auch das Thema Pitch sehr schwer. Wir reden hier nicht vom perfekten 30 oder 60 Sekunden Pitch, aber entweder bekommt die Person gar nichts mehr raus oder die macht den Bauchladen viel zu weit auf, führt einen Monolog, und verliert dabei das Gegenüber. Das alles kann man üben.

Drittens:
Du musst das nicht allein machen. Nimm dir einen Wingman, eine Wingwoman mit, das kann ein sehr guter Anker sein ohne an dieser Person zu kleben

Du beschäftigst dich auch mit Netzwerken für introvertierte Menschen. Was würdest du jemandem sagen, der glaubt, man müsse besonders laut, extrovertiert oder selbstbewusst sein, um erfolgreich Kontakte zu knüpfen?

Dass es für jede Art von Person das richtige Event gibt. Um zu Netzwerken muss man nicht laut und extrovertiert sein, aber natürlich hat es jemand, dem es von Natur aus leicht fällt auf Menschen zuzugehen beim Netzwerken oder in bestimmen Berufsgruppe, wie Vertrieb leichter.
Rein statistisch gesehen sind allerdings mind. 40 Prozent der Bevölkerung introvertiert und 20 Prozent ambivalent. Auch diese Gruppen kommen aufgrund ihrer persönlichen und beruflichen Qualifikationen in Positionen in denen sie Netzwerken müssen oder wollen.
Zum Glück bietet die Netzwerklandschaft inzwischen eine Vielfalt von Events, sodass jeder für sich das richtige findet.

Um zu netzwerken, muss man nicht laut und extrovertiert sein.

Was ist der größte Networking-Fehler, den du immer wieder beobachtest und was würdest du dir wünschen, dass Menschen stattdessen tun?

Es gibt nicht „den Netzwerkfehler“, von einigen habe ich bereits vorher berichtet. Was ich jedoch immer wieder, vor allem bei den extrovertierteren Personen beobachte ist, dass sie sich in dieser Selbstbestätigung, die es auch auf Events geben kann ausruhen.
Sie führen Monologe, behandeln Menschen z.T. von oben herab, ohne auf den Gegenüber überhaupt einzugehen oder zu Wort kommen zu lassen. Das Hilft außer dem Ego des Einem niemanden beim Netzwerken. Schöner wäre es doch, wenn ein Dialog entsteht und wenn das Gegenüber nicht zu dir passt, such dir gern einen neuen Gesprächspartner.

Du triffst viele Menschen, bringst sie zusammen und hilfst ihnen, ihr Netzwerk aufzubauen. Was wünschst du dir, dass Menschen nach einer Begegnung mit dir über dich sagen?

Puh, das ist eine wirklich schwere Frage. Was ich immer wieder erlebe ist, dass die Menschen danach sagen „Du bist ja echt nett“. Scheinbar wirke ich auf den ersten Blick etwas reserviert oder arrogant. Was ich mir wünsche und was auch immer wieder passiert ist, dass Menschen mir spiegeln, dass ich sie inspiriert habe. Das ist etwas, was ich total liebe, die richtigen Fragen zu stellen, Menschen auf neue Gedankengänge bringen und sie damit zu inspirieren.

Jetzt wird es praktisch: Wenn unsere Leserinnen und Leser morgen nur eine Sache anders machen, um ihr Netzwerk zu stärken, was sollte das sein?

Netzwerken sollte nicht davon leben was du mir bringst, sondern das Credo sollte sein „Gib, gib, gib und dann nimm“. Überlegt euch erst, was ihr für euer Netzwerk tun könnt, bevor ihr euch fragt, was euer Netzwerk euch bringt. Denn wer nur nimmt, der wird nicht lange von seinen Kontakten profitieren.

Die besten Verbindungen entstehen, wenn wir nicht fragen, was wir bekommen, sondern was wir gemeinsam bewegen können.

Die Bilder wurden uns von Rebacca Ullmann bereitgestellt.